01.12.2011

Gebührenanpassungen: Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden der Sparda-Bank Hamburg, Dr. Heinz Wings

Unsere Genossenschaft ist stark wie ein Baum, aber: „SIE BRAUCHT AUCH PFLEGE".

Ab Anfang nächsten Jahres fallen bei der Sparda-Bank Hamburg u.a. für das zweite und jedes weitere Girokonto (Unterkonten) Gebühren an. Der Vorstandsvorsitzende der Bank, Dr. Heinz Wings, erläutert die Gründe für diesen Schritt.

Herr Dr. Wings, ab Anfang des Jahres wird sich das Preis-/Leistungs-Verzeichnis der Sparda-Bank verändern. Warum war das nötig?
Die Sparda-Bank Hamburg ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Wir haben unsere Kundenzahl seit dem Jahr 2003 mehr als verdoppelt. Aktuell sind es weit über 300.000 Menschen, die wir in finanziellen Angelegenheiten betreuen. Und da gibt es dann mit der Zeit eine Menge Konten, zum Beispiel Zweit- und Dritt-Girokonten, die mitunter gar nicht mehr genutzt werden. Ich selbst habe auch zwei davon, die ich nun auflösen werde. Denn diese für mich überflüssigen Konten belasten unsere gesamte Organisation und verursachen unnötige Kosten für die Genossenschaft.

Gehaltskonten sind von den Veränderungen aber nicht betroffen?
Nein, natürlich nicht! Wer regelmäßige Eingänge auf seinem Girokonto hat, also Lohn, Gehalt oder zum Beispiel auch die Rente auf sein Sparda-Bank-Girokonto überweisen lässt, zahlt natürlich weiterhin keine Grundgebühren.

Warum sind solche regelmäßigen Eingänge denn so wichtig?
Das liegt schon in den Ursprüngen der genossenschaftlichen Idee: Mitglieder helfen Mitgliedern, d. h. Mitglieder halten ihre Liquidität und die Spargelder auf ihren Konten bei uns. Dieses Geld geben wir dann weitestgehend wieder als Kredite an Mitglieder, die damit zum Beispiel Häuser bauen oder Wohnungen kaufen können. Wir sind somit eine Art Selbsthilfe-Einrichtung, die nicht den Anspruch hat, Gewinne zu maximieren, sondern die die Aufgabe hat dafür zu sorgen, dass möglichst alle Mitglieder gleich stark gefördert werden. So stellen wir sicher, dass Geldanlagen attraktiv verzinst und gleichzeitig Kredite günstig vergeben werden können. Das ist in Kurzform unser Grundprinzip.

Es geht also im Kern darum, die Genossenschaft stark zu erhalten?
Ja, genau. Unsere Genossenschaft ist schon stark. Wäre sie ein Baum, hätte sie ja auch einen mehr als 100-jährigen Stamm. Damit die Pflanze aber - um im Bild zu bleiben - langfristig stark bleibt, muss man ab und an auch mal ein paar Äste abschneiden. Selbst wenn man sich an deren Anblick schon gewöhnt hat.

Welche Äste meinen Sie genau?
Dabei handelt es sich ausschließlich um weitestgehend entbehrliche Zusatzleistungen, deren Inanspruchnahme durch nur wenige Mitglieder zu einer Verzerrung der gerechten Verteilung der Mitgliederförderung führt. Nur dafür werden wir ab sofort moderate Beträge erheben. Für Zweit- oder Dritt-Girokonten stellen wir zum Beispiel jeweils einen Kostenersatz von 5 Euro im Monat in Rechnung. Oder wer mehr als eine ec-Karte pro Konto möchte, wird mit einer Jahresgebühr von 10 Euro für so eine Zweitkarte belastet. Das schafft noch mehr Gerechtigkeit in der Mitgliederförderung.

Wie steht's um die Kreditkarten?
Auch bei den Kreditkarten stellen wir fest, dass ein Großteil von ihnen überhaupt nicht und andere wiederum nur sehr eingeschränkt genutzt werden. Sehr häufig kommt es sogar vor, dass bei Kontoschließungen die Kreditkarten samt PIN, unbenutzt und sogar noch in ungeöffneten Briefumschlägen liegend, wieder zurückgeschickt werden. Das belastet die Mitgliedergemeinschaft mit Kosten, die vermieden werden können und eine effiziente Mitgliederförderung behindern. Daher wird eine Kreditkarte künftig für 30 € pro Jahr angeboten. Ab einem Handelsumsatz von 1.000 € wird diese Gebühr allerdings zurückerstattet. Also: Wer die Karte regelmäßig nutzt, z.B. für den Urlaub, beim Tanken oder beim Einkaufen, zahlt auch in Zukunft hierfür unterm Strich nichts!

Das Magazin der Bank bleibt auch gebührenfrei?
Ja, das stimmt ebenfalls. Unser Magazin „sparda aktuell", in dem wir Mitglieder und Kunden informieren, bleibt gebührenfrei. Nur die Postzustellung wird - so, wie bei Kontoauszügen auch - als Kostenersatz in Rechnung gestellt. Und wer das nicht möchte, bekommt sein Magazin selbstverständlich in der Filiale oder im Internet, dazu brauchen wir nur einen kleinen Hinweis.
 


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